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Stellungnahme der Klimafreunde AG Verkehrswende zum Unfalltod des Radfahrers in Schildgen am 28.02.2019

Viele Bergisch Gladbacher sind entsetzt, traurig und wütend über den tragischen Tod eines Radfahrers, der von einem rechts abbiegenden LKW an der Einmündung Altenberger Dom-Straße/Leverkusener Straße in Schildgen überrollt wurde. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen!

Hätte der Unfall durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden können?

Wie immer wieder bemängelt, befindet sich die Bergisch Gladbacher Fahrradinfrastruktur in einem katastrophal schlechten Zustand. Die meisten Radwege sind viel zu schmal, weisen viele Lücken auf, sind teilweise regelwidrig und an manchen Stellen sogar lebensgefährlich. Die sichere Überführung von Radfahrern an stark befahrenen Kreuzungen und Einmündungen ist kaum bis gar nicht geregelt. Dabei passieren genau an diesen neuralgischen Verkehrsknotenpunkten die meisten Unfälle!

Der Unfallort in Schildgen ist solch ein Verkehrs-Hotspot und negativ-beispielhaft für mangelnde Führung des Rad- und Fußverkehrs. Von Autofahrern oft ignoriert, übersehen oder gar absichtlich abgedrängt stehen oder fahren Radfahrer eingekeilt zwischen Bordstein und Auto/SUV/LKW auf einem zu schmalen Radstreifen. Die Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,50 m ist so gut wie unmöglich. Die Situation für Fußgänger sieht nicht viel besser aus: Sie drängen sich auf stellenweise viel zu schmalen, vom Schwerlastverkehr abschüssig-maroden Fußwegen. Autos rasen teilweise ungebremst an den Knotenpunkt heran, um grüne Ampelphasen noch zu erwischen. Da muss der eine oder andere Raser mit quietschenden Bremsen zum Stillstand kommen, um Fußgänger, die Grün haben, passieren zu lassen. Dies ist in unhaltbarer Zustand! Um zu verstehen, um was es hier eigentlich geht, wäre es hilfreich, sich mal eine halbe Stunde an diese Einmündung zu stellen und das Verkehrsgeschehen zu beobachten.

Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrer zu Tode kommen, sind sehr häufig. Deshalb wird die Ausstattung mit einem Abbiegeassistenten und blinkenden Seitenmarkierungsleuchten auf deutschen Straßen für neue Lang-LKW ab dem 01.07.2020 zur Pflicht, für Bestandsfahrzeuge aber erst ab dem 01.07.2022. Das sind noch zwei Jahre ohne diese hilfreiche Technik, mit der Unfälle vermieden werden könnten! Das dauert eindeutig zu lange!

Abbiegeassistent alleine reicht nicht!

Absolut notwendig ist es, stark befahrene Kreuzungen für Radfahrer wesentlich sicherer zu gestalten - und da ist die Kommune gefragt! Getrennte Verkehrsführungen und Vorrang-Ampelschaltungen für Radfahrer sind geeignete Maßnahmen und relativ leicht umzusetzen. Dadurch käme es erst gar nicht zu Raumkonflikten zwischen Autofahrern und Radfahrern. Auch eine guter Blickkontakt aller Verkehrsteilnehmer wird dadurch ermöglicht.

Wann ist endlich Schluss mit der rückwärtsgewandten autodominierten Verkehrspolitik?

Dieser tragische Unfall führt dramatisch vor Augen, dass dringender Handlungsbedarf in Bergisch Gladbach besteht. Die Stadtpolitiker müssen zügigst vernünftige Konzepte für eine taugliche Infrastruktur vorlegen und auch umsetzen. Entsprechende Expertisen gibt es dazu schon lange. Nur so funktioniert Verkehrswende!

ADFC: „Wir haben es satt“

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club RheinBerg reagiert auf den tödlichen Radunfall in Schildgen mit einer bitteren Erklärung. Alle Vorschläge für eine sichere Radinfrastruktur würden von der Stadtverwaltung ausgebremst, kritisiert der ADFC.

in-gl.de